Meisterhaftes Handwerk
Was auf den ersten Blick wie ein eleganter Griff für ein Teeglas erscheint, offenbart sich bei näherem Hinsehen als kleines Kunstwerk mit großer Geschichte. Ursprünglich aus Russland stammend, verbreiteten sich Teeglashalter, im russischen „Podstakannik“ genannt, ab dem 19. Jahrhundert in Europa und Amerika. Bei Podstakanniks (wörtlich: „unter dem Glas“) handelt es sich um kunstvoll gestaltete Teeglashalter aus Metall, die das Glas schmücken und die Hände vor Hitze schützen.
Anlass dieser außergewöhnlichen Sonderausstellung ist eine bedeutende Schenkung von etwa 1.600 Teeglashaltern aus dem Jahr 2020. Präsentiert wird eine Auswahl von mehreren hundert Podstakanniks aus über 20 Ländern, die mit filigraner Metallkunst, detailreicher Ornamentik und eindrucksvollen Bildmotiven begeistert. Die Ausstellung ordnet diese Objekte kulturhistorisch ein und beleuchtet die internationale Verbreitung und Vielfalt dieser Tradition, die bis heute fortlebt. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine informative und anschauliche Entdeckungsreise durch Kunsthandwerk, Designgeschichte und Teekultur. Interaktive Stationen laden zum Rätseln ein, etwa durch das Legen von Puzzles, das eigene Entwerfen von Teeglashaltern oder ein Suchspiel, das den Blick auf die filigranen Details der Halterungen lenkt.
Filigrane Kunstfertigkeit
Die Herstellung von Teeglashaltern ist ein anspruchsvolles Handwerk, das vor allem filigrane Metallbearbeitung umfasst. Traditionell aus Silber, Messing, Kupfer oder Edelstahl gefertigt, werden sie zudem oft mit detailreichen Gravuren oder farbenfroher Emaille verziert. Mit der kunstvollen Niello-Technik werden die feinen Gravuren mit einer schwarzen Legierung aus Silber und Schwefel gefüllt. Die Skan-Technik wiederum zeichnet sich durch das Verdrehen und Verweben von Draht zu zarten, ornamentalen Mustern aus. Mit der Emaille-Technik werden bunte Glasuren aufgetragen und bei hoher Temperatur gebrannt. Neben diesen Metallverarbeitungstechniken können sich die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung zudem über die Bedeutung der vielfältigen Motive informieren. Besonders zu erwähnen ist hier vor allem die symbolhafte Bildsprache sowjetischer Teeglashalter.
Einzigartige Teekultur
Die Kulturgeschichte der Podstakannik ist eng mit der Transsibirischen Eisenbahn verbunden. Deren Architekt Sergej Witte (1849-1915) soll sie als praktische Lösung für den Teegenuss in Zügen entwickelt haben. Die darauffolgende Massenproduktion der Teeglashalter für die russische Eisenbahn wurde 1892 von einer Fabrik in der Siedlung Koltschugin monopolisiert. Der Podstakannik wurde so zu einem unverzichtbaren Begleiter auf Bahnreisen – der dort servierte Tee wird auch heute noch traditionell in Gläsern mit Metallhaltern gereicht und ist ein Symbol für die russische Teekultur. Einen anschaulichen Eindruck davon vermittelt die szenografische Darstellung einer Zugabteil-Kulisse, in dem die Museumsgäste auf einer Sitzbank Platz nehmen können.



